Club Chronik

BC Vorwärts – Box-Geschichte von 1925 bis 2000 im Zeitraffer

Am Anfang, 1925 , waren es nur einige Wenige, die sich zusammenfanden, um den Boxsport, der sich in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg auch in Deutschland etablierte, auszuüben. Damals, in den“Goldenen Zwanzigern“, hatte man mehr Mut, denn Optimismus. Es wurde der Versuch unternommen, den Faustkampf hoffähig zu machen, ohne dabei den rechten Glauben an die Zukunft dieses Sports zu haben. Nur so ist es zu erklären, daß es aus der Anfangszeit von Bielefelds ältestem Boxklub nur mündliche Überlieferungen gibt.

Da für die erste Trainingsstätte der Garten eines Mitbegründers herhalten mußte, schließt der Chronist daraus, daß es Sommer war… Die wenigen, namentlich bekannten Kameraden, die man mit der Gründerzeit in Verbindung bringen konnte, waren der Anfang der 60 er Jahre verstorbenen langjährige 1. Vorsitzende Walter Bleimund, der Erfolgstrainer und Vorsitzende in den 50 ern, Fritz Rieke, (gestorben 1959) und Heinrich von Kolken, der 1974 zu Grabe getragen wurde. Bereits nach wenigen Jahren nahm der Bielefelder Boxsport einen enormen Aufschwung-der jäh durch die „Gleichschaltung“ im Dritten Reich gestoppt wurde. Der „Vorwärts“ wurde zersplittert, die stattliche Anzahl von Mitgliedern schlossen sich der DSC-, bzw. der VfB-Boxabteilung an- in dem gemeinsamen Willen, den BC Vorwärts bald wieder aufleben zu lassen. Ein Nicht-Vorwärtsler, der jedoch in späteren Zeiten maßgeblich die Geschicke des BCV mitbestimmte, trat 1934 in die DSC-Boxabteilung ein. Es war Otto Schmidt, der als „fertiger Boxer“ aus Leipzig kommend- sich früh für die Schulung des Nachwuchses einsetzte und dies zu seiner Lebensaufgabe machte. Mit dieser Zeit werden Namen wie u. a. Paul Pilgrim, die Brüder Hans und Egon Schermutzki, Erich Tatenhorst und Rolf Toppmann verbunden. Auch der legendere Gustav Eder, später 12 Jahre Deutscher Meister der Berufsboxer, zählte eine zeitlang zu den Bielefelder Faustkämpfern.

Hans Seeger und Ronald Lohfink
Einst Gegner – heute Freunde: Hans Seeger lks. und Ronald Lohfink 1954
amateurboxen

Nach dem Zusammenbruch 1945 waren es wieder einige Unentwegte, die dem Boxsport in der Leinenstadt wieder zu einem Neubeginn verhalfen. Bald gab es unter Walter Bleimund, Otto Schmidt und Fritz Rieke-, der als Trainer, 45-jährig, noch als „Aushilfe“ in den Ring kletterte ( die heute bekannte Altersgrenze für Aktive gab es noch nicht)- wieder eine schlagkräftige Truppe. In dieser Zeit zog auch Kriegsheimkehrer Udo Belz nochmal die Handschuhe an und war als schlagstarker Rechtsausleger gefürchtet. Die 50er Jahre, die für den BCV auch heute noch die „Goldenen“ waren, brachte Kämpfer hervor, deren Namen auch jetzt noch-fast 50 Jahre später- die Fans schwärmen lassen. Hans Korinth, Wolfgang Schröter, Hans Seeger(derspätere BCV Trainer) Rudi Röpke, Helmut Ball (der später als Profi als einziger Karl Mildenberger durch KO bezwang), sowie der heutige Chronist Ronald Lohfink. Im letzten Drittel dieses “ glorreichen Jahrzehnts“ kamen aus dem Jugendbereich Kämpfer dazu, wie u.a. Hans-Dieter “ Schotte“ Schwartz, Deutscher Juniorenmeister 1958 und später Deutscher Meister bei den Profis, Otto Kuschela, Johann Kampf, Hans Stüwe, Jürgen Straube und viele mehr, die sich auch in der Seniorenklasse schnell einen Namen machten. So stellten sich die Bielefelder in Polen dem damaligen Mannschaftsmeister Sparta Bielsko ebenso, wie in England der Midland-Auswahl. Die allgemeine Stagnation im Boxsport begann in den 60ern. Die Vorwärtsler merkten es zuerst am Zuschauerschwund. Nach dem Umzug vom stets ausverkauften Volkshaus Sudbrack in die Mehrzweckhalle Schildesche, blieben nach und nach immer mehr fern – da halfen auch keine namhaften Gegner, wie der Märkische Boxring Hamm, oder Viktoria Dortmund, deren Boxer sich in Bielefeld selten behaupten konnten. Als dann die einstigen Zugnummern in den „Ruhestand“ traten-fehlte plötzlich der Nachwuchs.

Ostwestfalenmeister 1974
Ostwestfalen/Lippe Meister 1974
von lks. Jürgen Krause I, Peter Krause III, Jürgen Buschkamp, Momir Desnica, Rudolf Sertic, knieend Joachim Krause II
amateurboxen

Mit dem Führungswechsel 1962, als der Gastronom Willi Klose den Vorsitz an Erich Tatenhorst abgab, begann mit der Eintragung ins Vereinsregister eine neue Aera des BC Vorwärts 1925 eV. Otto Schmidt, als verantwortlicher Jugendwart des Bezirkes Ostwestfalen/Lippe und des BC Vorwärts erfand mit dem ursprünglich der Jugend und dem Nachwuchs gewidmeten Pokalturnieren eine neue Veranstaltungsreihe, die noch heute, nach 38 Jahren Bestand hat und inzwischen in ganz Deutschland kopiert wird. Aus diesen Turnieren entwuchsen die neuen Spitzenkräfte, die leider jeweils nur für kurze Zeit den Ton angaben. Viele neue Freizeitangebote, die von der im neuen Zeitgeist erzogenen Jugend bereitwilliger angenommen wurden, als das Quälen eines Wettkampfsportlers, standen den Bestrebungen des inzwischen von Otto Schmidt geleitetem BC Vorwärts entgegen.Ein neues Hoch bahnte sich kurz vor dem 50 Geburtstag des BC Vorwärts an.